Testament in Kanada für Deutsche

Testament in Kanada für Deutsche

Als Spezialisten für internationales Erbrecht werden wir immer wieder gefragt, was Personen mit Vermögen in Kanada bei Errichtung eines Testaments beachten müssen. Der Beitrag erläutert die Rechtslage und gibt praktische Hinweise für ein Testament von Deutschen mit Vermögen in Kanada.

Grundlagen: Anwendbares Erbrecht und Erbrecht von Kanada

Bevor erörtert wird, welche Besonderheiten bei Errichtung eines Testaments bei Bezügen zu Kanada zu beachten sind, wird nachfolgend in aller Kürze dargestellt,

  • wann "kanadisches Erbrecht" anzuwenden ist und
  • welche grundlegenden Regelungen das kanadische Erbrecht zu Testamenten trifft.  

Anwendbares Erbrecht aus Sicht von Kanada 

Aus Sicht von Kanada ist im Hinblick auf bewegliches Vermögen (z.B. Bankkonto) das Recht des letzten „Domizil“ des Erblassers anzuwenden. Im Hinblick auf bewegliches Vermögen ist daher bei einem deutschen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland nicht das kanadische Erbrecht anwendbar und ein nach deutschem Recht wirksam errichtetes Testament auch in Kanada wirksam.

Vorsicht: Eine andere Frage ist allerdings, ob das Testament alle aus Sicht Kanadas maßgeblichen Fragen regelt. Dies ist oft nicht der Fall. Insbesondere Fehlen oft Angaben zum Nachlassverwalter 

Bei unbeweglichem Vermögen (z.B. Haus) ist aus der Sicht Kanadas das Recht des Ortes, an dem es sich das unbewegliche Vermögen befindet, an (sog. „Situs“). 

Vorsicht: Wer eine Immobilie in Kanada hat, vererbt diese daher nach kanadischem Recht (d.h. dem Recht der Provinz in dem die Immobilie belegen ist). Daher ist bei Errichtung des Testaments kanadisches Recht zu beachten! 

Die Nachlassabwicklung (administration of the estate) richtet sich immer nach dem Recht am Ort des Gerichts (lex fori). 

Regelungen des kanadischen Erbrechts zur testamentarischen Erbfolge 

Das Erbrecht der kanadischen Provinzen ist vom Grundsatz vom Prinzip der Testierfreiheit geprägt. Der Erblasser ist daher - im Grundsatz - in der Gestaltung seines Testaments frei.

Zweckmäßig sind Bestimmungen zu 

  1. Einzelzuwendungen (specific gift)
  2. Zuwendung des Restnachlasses (residuary beneficiary)
  3. Person und Befugnissen des Nachlassverwalters (executor oder estate trustee)

In Kanada ist es üblich, ein Testament in der Form eines Zwei-Zeugen-Testaments zu errichten. Bei einem Zwei-Zeugen-Testament bezeugen mindestens zwei Personen die Echtheit des Testaments. In den meisten Rechtsgebieten ist es erforderlich, dass die Zeugen zeitgleich anwesend sein müssen und die Errichtung des Testaments durch den Erblasser (oder eine durch diese beauftragte Person) bezeugen. Ausgeschlossen sind oftmals Personen, welche durch das Testament begünstigt werden. 

Hinweis: Testamente in der Form deutschen Rechts werden unter Umständen von manchen kanadischen Provinzen anerkannt. So erkennt z.B. Ontario ein Testament als der Form nach wirksam an, wenn es dem Recht am Ort der Errichtung genügt.  

Gesondertes Testament für Kanada

Oftmals wird empfohlen für Kanada ein gesondertes Testament zu errichten. Hierfür spricht, dass

  • sichergestellt ist, dass das Testament formal wirksam ist,
  • das Original beim kanadischen Nachlassgericht eingereicht werden kann,
  • eine Übersetzung ins Englische entbehrlich ist,
  • das Testament auch dem Inhalt nach für ein kanadischen Nachlassgericht leichter verständlich ist und
  • das - immer - anwendbare Recht der Nachlassabwicklung besser berücksichtigt werden kann.

Gegen ein gesondertes Testament für Kanada spricht, dass es leicht zu Widersprüchen zwischen dem "deutschen Testament" und dem "kanadischen Testament" kommen kann.

Hinweise: Ein gesondertes Testament für Kanada sollte daher immer von einem Experten für internationales Erbrecht entworfen werden. Darin muss insbesondere der Wirkungsbereich genau abgegrenzt werden (das ist z.B. im Hinblick auf die Schuldenhaftung schwierig!). 

Problematisch ist außerdem, dass die Gefahr eines "versehentlichen Widerrufs" bei späterer Änderung eines Testaments besteht. 

Beispiel: A hat für Deutschland und Kanada gesonderte Testamente errichtet. Kurz vor seinem Tod will er sein deutsches Testament ändern und Schreibt: „ich widerrufe meine vorherigen Testamente“. Dabei meint er sein deutsches Testament, nicht aber das kanadische Testament. Das Nachlassgericht wird nun zu prüfen haben, ob das kanadische Testament widerrufen wurde oder nicht. Dafür spricht der Wortlaut. 

Größte Vorsicht ist geboten, wenn man das Vermögen nach Ländern unterschiedlichen Personen zuwendet.

Beispiel: Erblasser E wendet sein kanadisches Vermögen seinen Kindern zu und das deutsche Vermögen der neuen Lebensgefährtin. Die Kinder verlangen im Hinblick auf das deutsche Vermögen den Pflichtteil und argumentieren, dass sie in Deutschland enterbt wurden. Die Lebensgefährtin wendet ein, dass sie doch das kanadische Vermögen bekommen haben. Die Kinder meinen allerdings, da im Hinblick auf den "kanadischen Nachlass" kanadisches Erbrecht anzuwenden sei, sei dies egal.

Einheitliches Testament

Rechtlich möglich ist es natürlich auch ein einheitliches Testament zu errichten. Ob dies zweckmäßig ist, ist allerdings eine andere Frage. Hiergegen spricht, dass

  • zunächst geprüft werden muss, ob es in Kanada der Form nach anerkannt wird,
  • im Erbfall erklärt werden muss, warum das Original beim kanadischen Nachlassgericht nicht eingereicht werden kann,
  • eine Übersetzung ins Englische erforderlich ist, 
  • das Testament auch kanadisches Recht (z.B. Nachlassabwicklung) berücksichtigen muss. 

Hinweis: Wenn man sich entscheidet, ein einheitliches Testament zu errichten, sollte man sich daher immer von einem Experten für kanadisches Erbrecht beraten lassen. Hierauf weisen Notare auch in aller Regel hin. 

Alternativen zum Testament in Kanada

In Kanada sind Alternativen zum Testament viel verbreiteter als in Deutschland. Diese Alternativen werden nachfolgend kurz aufgezeigt:  

Trust als Alternative zum Testament

Zur Vereinfachung der Nachlassabwicklung wird oftmals die Errichtung eines Trusts bereits zu Lebzeiten (inter vivos trust) empfohlen. Dies kann allerdings unter Umständen ungewünschte steuerliche Folgen in Deutschland haben und sollte daher gut durchdacht werden. Ebenso wie bei einem Testament stellen sich auch hier Fragen der Abstimmung mit dem deutschen Testament. Zu beachten ist auch, dass ein Widerruf unter Umständen nicht mehr durch bloßes Testament möglich ist. Will man also später den Trust ändern, muss man also unter Umständen erst den kanadischen Anwalt wieder um Mitwirkung bitten.  Schließlich stellen sich hier schwierigen Fragen des Pflichtteilsrechts.

Beispiel: E wendet sein kanadisches Vermögen mittels eines inter vivios trusts seinen Kindern zu und das deutsche Vermögen der neuen Lebensgefährtin. Die Kinder verlangen im Hinblick auf das deutsche Vermögen den Pflichtteil und argumentieren, dass sie in Deutschland enterbt wurden. Die Lebensgefährtin wendet ein, dass sie doch das kanadische Vermögen bekommen haben. Die Kinder meinen allerdings, der Erwerb über den Trust sei mangels Anrechnungsbestimmung nicht auf ihren Pflichtteil anzurechnen. 

Übergang von Todes wegen Kraft Anwachsungsrecht

Schließlich ist noch für Immobilien das Anwachsungsrecht (Joint Tenancy with the Right of Survivorship) zu erwähnen. Auch hier stellen sich entsprechende Probleme. Außerdem setzt diese voraus, dass man bereits zu Lebzeiten Miteigentum überträgt. Dies kann deutsche Schenkungssteuer auslösen und ist oft auch gar nicht gewünscht. 

Erbschaftsteuer

Unabhängig für welche Gestaltung man sich entscheidet, stellt sich bei Vermögen in Kanada die Frage nach der Besteuerung. Da die auf den Tod anfallende kanadische CGT nicht auf die deutsche Erbschaftsteuer angerechnet werden kann, sollte hier sorgfältig geprüft werden, ob durch geschickte Planung ein steuerlich positiver Effekt erzielt werden kann.