Testament für Deutsche in Südafrika

Testament für Deutsche in Südafrika

Der Beitrag erläutert, was bei Errichtung eines Testaments bei Bezügen zu Südafrika zu berücksichtigen ist.

Grundlagen: Anwendbares Erbrecht und Erbrecht von Südafrika

Bevor erörtert wird, welche Besonderheiten bei Errichtung eines Testaments bei Bezügen zu Südafrika zu beachten sind, wird nachfolgend in aller Kürze dargestellt, wann südafrikanisches Erbrecht anzuwenden ist und welche grundlegenden Regelungen das südafrikanische Erbrecht zu Testamenten trifft.  

Anwendbares Erbrecht aus Sicht von Südafrika

Aus Sicht von Südafrika ist im Hinblick auf bewegliches Vermögen (z.B. Bankkonto) das Recht des letzten „Domizil“ des Erblassers anzuwenden. Im Hinblick auf bewegliches Vermögen ist daher bei einem deutschen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland nicht das südafrikanische Erbrecht anwendbar und ein nach deutschem Recht wirksam errichtetes Testament auch in Südafrika wirksam.

Vorsicht: Eine andere Frage ist allerdings, ob das Testament alle aus Sicht Südafrika maßgeblichen Fragen regelt. Dies ist oft nicht der Fall. Insbesondere Fehlen oft Angaben zum Nachlassverwalter.

Bei unbeweglichem Vermögen (z.B. Haus) ist aus der Sicht Südafrika das Recht des Ortes, an dem es sich das unbewegliche Vermögen befindet, an (sog. „Situs“). 

Vorsicht: Wer eine Immobilie in Südafrika hat, vererbt diese daher nach südafrikanischem Recht. Daher ist bei Errichtung des Testaments südafrikanisches Recht zu beachten! 

Die Nachlassabwicklung (administration of the estate) richtet sich immer nach dem Recht am Ort des Gerichts (lex fori). 

Testamentarische Erbfolge im südafrikanischen Erbrecht

Die Testamentarische Erbfolge ist im Wills Act 7 aus dem Jahr 1953 geregelt. Danach ist der Erblasser im Grundsatz frei ein Testament zu errichten und über seinen Nachlass zu verfügen (Grundsatz der Testierfreiheit bestimmt, d.h. der Erblasser ist im Grundsatz in der Gestaltung seines Testaments frei. Der Erblasser ist im Grundsatz frei im Testament anzuordnen, was er will. Er kann z.B. anordnen,

  1. wer einen Vermögensgegenstand erhalten soll
  2. wer den Restnachlass erhalten soll (residuary beneficiary)
  3. wer Nachlassverwalter sein soll (executor)

Die Wirksamkeit des Testaments setzt zunächst voraus, dass der Testator testierfähig war. Testierfähigkeit (capacity) setzt voraus, dass der Testator mindestens 16 Jahre alt ist und die Fähigkeit hat den Inhalt und die Wirkungen des Testaments zu verstehen, Ar. 4 Wills Act. In formaler Hinsicht setzt die Wirksamkeit folgendes voraus: Das Testament muss

  1. von dem Testierenden unterzeichnet werden. Es kann auch von einer anderen Person unterschrieben werden, wenn der Testator bei der Unterschriftsleistung dieser Person anwesend ist und diese Person anweist zu unterschreiben;
  2. die Unterschrift wurde bei gleichzeitiger Anwesenheit von zwei oder mehr Zeugen anerkannt oder geleistet.
  3. Jeder Zeuge bestätigt entweder das Testament oder unterschreibt es in der Gegenwart des Testierenden (nicht notwendig in der Gegenwart des anderen Zeugen)
  4. Wenn das Testament aus mehren Seiten besteht hat der Erblasser auf allen Seiten unterschrieben.

Ein Testament, welches diese Anforderungen erfüllt wird auch als Zwei-Zeugen-Testament bezeichnet. Ausländische Testamente werden der Form nach anerkannt, wenn sie einer der folgenden Formen genügen:  

  1. des Errichtungsortes;
  2. des Domizils zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments;
  3. des Domizils zum Zeitpunkt des Todes; 
  4. des gewöhnlichen Aufenthaltes des Erblassers zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments; 
  5. des gewöhnlichen Aufenthaltes des Erblassers zum Zeitpunkt des Todes; 
  6. des Staates der Staatsangehörigkeit des Erblassers zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments; 
  7. des Staates der Staatsangehörigkeit des Erblassers zum Zeitpunkt des Todes.

Gesondertes Testament für Südafrika

Oftmals wird empfohlen, für Südafrika ein gesondertes Testament zu errichten. Hierfür spricht, dass sichergestellt ist, dass

  • das Testament formal wirksam ist,
  • das Original beim südafrikanischen Nachlassgericht eingereicht werden kann,
  • eine Übersetzung ins Englische entbehrlich ist, das Testament auch dem Inhalt nach für ein südafrikanisches Nachlassgericht leichter verständlich ist und
  • das - immer - anwendbare Recht der Nachlassabwicklung besser berücksichtigt werden kann. 

Gegen ein gesondertes Testament für Südafrika spricht, dass es leicht zu Widersprüchen zwischen dem "deutschen Testament" und dem "südafrikanisches Testament" kommen kann.

Hinweise: Ein gesondertes Testament für Südafrika sollte daher immer von einem Experten für internationales Erbrecht entworfen werden. Darin muss insbesondere der Wirkungsbereich genau abgegrenzt werden (das ist z.B. im Hinblick auf die Schuldenhaftung schwierig!). 

Problematisch ist außerdem, dass die Gefahr eines "versehentlichen Widerrufs" bei späterer Änderung eines Testaments besteht. 

Beispiel: A hat für Deutschland und Südafrika gesonderte Testamente errichtet. Kurz vor seinem Tod will er sein deutsches Testament ändern und Schreibt: „ich widerrufe meine vorherigen Testamente“. Dabei meint er sein deutsches Testament, nicht aber das südafrikanische Testament. Das Nachlassgericht wird nun zu prüfen haben, ob das südafrikanische Testament widerrufen wurde oder nicht. Dafür spricht der Wortlaut. 

Größte Vorsicht ist geboten, wenn man das Vermögen nach Ländern unterschiedlichen Personen zuwendet.

Beispiel: Erblasser E wendet sein südafrikanisches Vermögen seinen Kindern zu und das deutsche Vermögen der neuen Lebensgefährtin. Die Kinder verlangen im Hinblick auf das deutsche Vermögen den Pflichtteil und argumentieren, dass sie in Deutschland enterbt wurden. Die Lebensgefährtin wendet ein, dass sie doch das südafrikanische Vermögen bekommen haben. Die Kinder meinen allerdings, da im Hinblick auf den "südafrikanischen Nachlass" südafrikanisches Erbrecht anzuwenden sei, sei dies egal.

Einheitliches Testament

Rechtlich möglich ist es natürlich auch ein einheitliches Testament zu errichten. Ob dies zweckmäßig ist, ist allerdings eine andere Frage. Hiergegen spricht, dass

  1. zunächst geprüft werden muss, ob es in Südafrika der Form nach anerkannt wird,
  2. im Erbfall erklärt werden muss, warum das Original beim südafrikanische Nachlassgericht nicht eingereicht werden kann,
  3. eine Übersetzung ins Englische erforderlich ist,
  4. das Testament auch südafrikanisches Recht (z.B. Nachlassabwicklung) berücksichtigen muss. 

Hinweis: Wenn man sich entscheidet, ein einheitliches Testament zu errichten, sollte man sich daher immer von einem Experten für südafrikanischen Erbrecht beraten lassen. Hierauf weisen Notare auch in aller Regel hin.